Wiegleb/Bauer – Orgel in Gollachostheim

Titelbild

Die Orgel in der evangelisch-lutherischen Kirche zu Gollachostheim besitzt einen außergewöhnlichen historischen Kern. Das Instrument wurde ursprünglich 1732 von Johann Christoph Wiegleb als einmanualige Schleifladenorgel mit acht Registern erbaut. Der fünfteilige Prospekt mit seinem charakteristischen Mittelrundturm und dem reichen Bandwerkdekor ist ein typisches Werk Wieglebs und zählt zu den besonders qualitätvollen Beispielen fränkischer Rokoko-Orgelbaukunst.

Von besonderer Bedeutung ist, dass im Manualwerk nicht nur teilweise das Pfeifenmaterial aus der Bauzeit erhalten ist, sondern auch die Oberteile der Windlade weitgehend original überliefert sind. Damit besitzt das Instrument trotz späterer Umbauten einen substanziellen historischen Kern aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurde die Orgel mehrfach umgebaut – zunächst 1860 durch Steinmeyer, später 1962 durch Erich Bauer. Die heutige technische Ausführung der Traktur entspricht daher nicht mehr der barocken Bauweise, sondern ist konstruktiv ein Kind ihrer jeweiligen Umbauzeit. Insbesondere Aluminium- und Kunststoffbauteile prägen heute die Mechanik.

Ausgangszustand

Das Instrument war stark verschmutzt, die letzte gründliche Reinigung mit Nachintonation lag mehrere Jahrzehnte zurück. Neben dem allgemeinen Verschleiß fiel vor allem der Zustand der Windanlage ins Gewicht. Die Bespannungen des Hauptbalges sowie des Manualbalges waren am Ende ihrer Lebensdauer angekommen; in den Zwickeln des Hauptbalges zeigten sich bereits Löcher. Eine dauerhaft stabile Windversorgung war damit nicht mehr gewährleistet.

Auch im Bereich der Windladen bestand Handlungsbedarf. Die Manualwindlade ist in ihrem Oberteil original erhalten, während Beutelbretter, Anhängungen und Dichtungssysteme später verändert wurden. Die Lederlaschen an den Abzugsdrähten hatten ihre Verschleißgrenze erreicht und begannen nacheinander zu reißen. Ein konstruktiver Umbau der historischen Windlade war jedoch ausdrücklich nicht Ziel der Maßnahme; vielmehr ging es darum, die vorhandene Substanz behutsam zu sichern und funktional wiederherzustellen.

Die Traktur arbeitet trotz ihrer materialbedingten Schwächen derzeit zuverlässig, enthält jedoch zahlreiche Kunststoffteile, deren Alterungsprozess schwer prognostizierbar ist.

Ausgeführte Arbeiten

Im Zentrum der Arbeiten stand zunächst die gründliche Reinigung des gesamten Instruments – Gehäuse, Pfeifenwerk, Windkanäle, Windladen und Traktur wurden sorgfältig abgesaugt und feucht gereinigt. Ziel war es, die Substanz zu sichern und die Funktionsfähigkeit wiederherzustellen, ohne in die historische Intonation unnötig einzugreifen.

Die beiden Bälge wurden vollständig ausgebaut, in der Werkstatt neu beledert und mit neuen Trapezfedern ausgestattet. Zudem wurde das Rollventil umgearbeitet und verbessert. Dadurch konnte die Windstabilität nachhaltig verbessert werden. Nach dem Wiedereinbau wurden sämtliche Windwege auf Dichtheit überprüft und gegebenenfalls mit angefasten Lederstreifen nachgedichtet.

Die Windladen wurden im eingebauten Zustand sorgfältig durchgesehen. Pfeifenstöcke und Raster wurden gereinigt, Schleifen nachjustiert und neu eingestellt. Insgesamt wurden 78 neue Lederlaschen angefertigt und eingebaut, die Tonventile gründlich gereinigt sowie die Spunddeckel neu beledert. Die historische Substanz der Manualwindlade blieb dabei unangetastet.

In der Traktur wurden verschlissene Kunststoffteile ersetzt und sämtliche Wellenbretter nachreguliert. Alle Lagerpunkte wurden kontrolliert, gefettet und die „halbe Reise“ -soweit möglich – neu eingestellt. Ziel war eine zuverlässige, spielfreudige Mechanik ohne konstruktive Veränderungen am historischen Kern.

Das Pfeifenwerk wurde schonend gereinigt. Auf ein Wasserbad wurde bewusst verzichtet, um die historische Substanz zu schonen. Beschädigungen wie verbogene Stimmbleche, eingerissene Mündungen oder defekte Lötstellen wurden fachgerecht behoben. Abschließend erfolgte eine behutsame Nachintonation und Generalstimmung des Instruments.

Ergebnis

Die Orgel präsentiert sich nun wieder in einem technisch gesicherten und klanglich stabilen Zustand. Die Windversorgung arbeitet gleichmäßig, die Ansprache ist verlässlich und die Mechanik präzise reguliert.

Trotz der technischen Umbauten früherer Zeiten bleibt der historische Kern des Instruments deutlich erfahrbar. Besonders im Manualwerk, dessen Windlade und Pfeifenmaterial auf Wiegleb zurückgehen, ist die barocke Klangsubstanz weiterhin spürbar. Durch die behutsame Überarbeitung konnte diese gewachsene Struktur erhalten und zugleich funktional gesichert werden.

Die Orgel in Gollachostheim steht damit wieder als liturgisch zuverlässig spielbares Instrument zur Verfügung – mit einem bemerkenswerten historischen Fundament aus der Werkstatt Johann Christoph Wieglebs.

Disposition

I. Manual

C – c ´´´ (49 Töne)

Gedackt8 ´
Flöte8 ´
Gedacktflöte4 ´
Praestant4 ´
Quinte2 2/3 ´
Octave2 ´
Mixtur 3f.1 ´

Pedal

C – d ´ (27 Töne)

Subbaß16 ´
Choralbaß4 ´