Überarbeitung der Schaefer/Koch-Orgel in der kath. Kirche Schillingsfürst

Titelbild

Im Zeitraum vom 10.2-09.05.25 durften wir die Orgel in der kath. Pfarrkirche „Kreuzerhöhung“ zu Schillingsfürst gründlich Überarbeiten.

Im Zuge der Reinigung und technischen Durchsicht zeigte sich, dass die klanglichen Defizite des Instruments weniger in der Mensur oder Substanz des Pfeifenwerks lagen, sondern in der Windversorgung und Abdichtung der Windladen begründet waren. Der Winddruck sackte bei stärkerer Registrierung massiv ab. In der Praxis bedeutete dies einen Druckverlust von bis zu 17 Millimetern Wassersäule. Die Folge war kein tragfähiger, strukturierter Orgelklang mehr, sondern ein flächiger, undifferenzierter Gesamtklang, bei dem die einzelnen Stimmen ihre Kontur verloren. Besonders die romantischen Register reagierten empfindlich auf diese Instabilität (dort war der Winddruck original sicher nochmals höher): Streicher verloren ihre Spannung und Grundstimmen ihre Fundamentkraft.

Ursächlich hierfür waren unter anderem stark gealterte Schleifendichtungen. Die ursprünglich verbauten Schaumstoffdichtungen hatten ihre Elastizität weitgehend eingebüßt und waren teilweise zerfallen, wodurch erhebliche Windverluste innerhalb der Windladen entstanden. Als maßgeblicher Faktor erwiesen sich jedoch vor allem die Drosselklappen und die Windladenbälge selbst, deren Zustand eine stabile Windversorgung nicht mehr gewährleistete.

Erst mit der Neubelederung und gründlichen Überarbeitung dieser Bauteile sowie der damit verbundenen Wiederherstellung eines konstanten Winddrucks zeigte sich deutlich, welches klangliche Potenzial im vorhandenen Pfeifenmaterial tatsächlich steckt. Die Register gewannen wieder an Kern, Tragfähigkeit und Differenzierung. Der zuvor wahrnehmbare „Klangbrei“ wich einer klar gegliederten, romantisch geprägten Klangstruktur. Die einzelnen Stimmen treten nun wieder eigenständig hervor und fügen sich dennoch homogen in das Gesamtklangbild ein.

Die Überarbeitung hatte nicht das Ziel einer stilistischen Veränderung, sondern die Wiedergewinnung der klanglichen Identität der historischen Schäfer-Register innerhalb der heutigen Orgelanlage. Entscheidend war dabei die technische Grundlage: Erst eine dauerhaft stabile Windversorgung und präzise abdichtende Schleifen schaffen die Voraussetzung für eine differenzierte Intonation.

Nach Abschluss der Arbeiten präsentiert sich das Instrument wieder mit tragfähigem Fundament, klarer Ansprache und deutlich konturierten Einzelstimmen. Der romantische Charakter der Schaefer-Register ist nun wieder hörbar und erfüllt den Kirchenraum mit einem ausgewogenen, aussagekräftigen Orgelklang.

Das Instrument wurde 1982 durch die Firma K. Koch / Feuchtwangen als technischer Neubau mit 15 klingenden Register auf zwei Manualen und Pedal errichtet. Hierbei wurde auch der Denkmalprospekt vermutlich um 1728 übernommen. Ein erheblicher Teil des Pfeifenmaterials stammt jedoch aus dem romantischen Vorgängerinstrument von August M. Schaefer aus dem Jahr 1925. Diese Register – insbesondere Salicional, Gamba, Subbaß, Cello, romantische Flötenstimmen – prägen bis heute die klangliche Identität des Werkes.

„Der fünfteilig-dreitürmige Denkmalprospekt in Normalform fällt dadurch auf, dass die Rundung des Mittelturms recht schmal ist, dafür aber sind die begrenzenden Lisenen ungewöhnlich breit. Alle Lisenen sind mit Glöckchengehänge überzogen, die Zwickel über den Pfeifen mit Schleierbrettern aus Akanthus- und Bandwerk gefüllt. Der in die Zeit um 1728 datierte Prospekt könnte Würzburger Provenienz sein, der Erbauer ist noch unbekannt.“

Quelle: Orgeldenkmale in Mittelfranken; ISBN 3/921 848-08-3

Vormalige Orgelwerke:

1726 Kirchenerweiterung
um 1728 Orgelbau durch unbekannten Meister (aus Würzburg?)
1873 Reparatur
1888 Orgel sehr gut, mit 12 Registern und Spieltisch
1909 Reparatur Bittner, Eichstätt, Pulpeten erneuert
um1925 Neubau Schaefer, Creglingen
1982 Neubau K. Koch, Feuchtwangen II/15

Quelle: Orgeldenkmale in Mittelfranken; ISBN 3/921 848-08-3



Folgende Arbeiten wurden von uns ausgeführt:

  • Demontage aller Pfeifen, Bälge, Klaviaturen und Windladen und Überarbeitung dieser in unserer Werkstatt.
  • Reinigung und Entschimmelung der Orgelanlage nach Gefahrenklasse 1.
  • Komplette Überarbeitung des Spieltisches: Neuaustuchung und Aufarbeitung der Klaviaturen.
  • Neubelederung der vier Bälge und Umrüstung der Windladenbälge auf Trapezfedern. Windabsacken vor der Überarbeitung: maximal -18mmWs; nach der Überarbeitung: Überdruck von 2mmWs im Tutti
  • Überarbeitung der Windladen: Erneuerung aller 1300 Schleifendichtungen (grüner Schaumstoff) auf den Stockunter und den Windladenoberseiten – letztendlich mit einer Kombination von Liegelindscheiben und Schmidt’schen Ringen, da alle Dämme fest verleimt und vernagelt waren; Austausch aller Belipulpeten durch Edelstahlpulpeten; Konstruktion von Vorventilen für die tiefen Oktaven zur reduzierung des Tastendruckes.
  • Reinigung und restauratorische Überarbeitung des Pfeifenwerkes. Hierbei wurden ca. 200 Fußspitzen aus Blei erneuert -> starke ausprägung von Bleizucker -> hierdurch Zersetzung der Pfeifenfüße.
  • Tausch der beiden 2′ Register sowie Umstellung.
  • Umfangreiche Vorintonation in der Werkstatt und Nachintonation vor Ort nach den neuen Winddrücken.
Disposition nach der Überarbeitung

I. Manual

C – g ´´´ (56 Töne)

Principal8′
Salicional8′
Oktave4′
Sesquialter 2f.2 2/3′
Waldflöte2′
Mixtur1 1/3′

II. Manual (Hauptwerk)

C – g ´´´ (56 Töne)

Gedeckt8′
Flöte4′
Waldflöte2′
Quinte1 1/3′
Oktave1′

Pedal

C – f ´ (30 Töne)

Subbaß             16′
Cello                     8′
Choralbaß          8′
Posaune           16′

Koppeln: Manualkoppel II-I; Pedalkoppel I; Pedalkoppel II

Bilder der Arbeiten: