Steinmeyer-Orgel Kalchreuth

Titelbild

Als letztes Projekt des Jahres durften wir die Steinmeyer-Orgel in Kalchreuth – im Zuge der umfassenden Kirchenrenovierung – reinigen und überarbeiten. Bereits 2013 wurden durch unsere Werkstatt die Anspielmembranen der Tontraktur erneuert, im Frühjahr 2021 folgte die vollständige Erneuerung sämtlicher Taschenventile. Damit war die Grundlage für eine dauerhaft zuverlässige Funktion gelegt.

Im nun abgeschlossenen Bauabschnitt stand neben der Reinigung insbesondere die umfassende Überarbeitung des Spieltisches im Vordergrund.

Zur Orgel

G. F. Steinmeyer & Co. errichtete die Orgel in der Evang.-luth. St. Andreaskirche in Kalchreuth im Jahr 1907 als Opus 955 mit elf klingenden Registern auf zwei Manualen und Pedal. Das Instrument stellt ein typisches spätromantisches Werk der Oettinger Werkstatt dar und wurde als liegende Taschenlade mit rein pneumatischer Tontraktur errichtet. Eine besondere historische Bedeutung erhält das Instrument durch den erhaltenen barocken Prospekt, der vermutlich auf den Nürnberger Stadtorgelmacher Christoph Kittelmann zurückgeht. Aus der Zeit der barocken Vorgängerorgel stammt auch der noch vorhandene Zimbelstern von 1746, der als originales Windrad bis heute funktionsfähig erhalten ist. Dieser historische Bestandteil wurde im Zuge der aktuellen Maßnahme bewusst nicht überarbeitet, um seine gewachsene Substanz und Authentizität zu bewahren.

Schwerpunkte der Überarbeitung

Der Spieltisch wurde vollständig zerlegt und grundlegend überarbeitet. Die Manualklaviaturen wurden neu ausgetucht, sämtliche Führungen neu garniert und reguliert. Druck- und Anschlagfilze wurden ersetzt, die Tastenstifte entrostet, ausgerichtet und imprägniert. Einzelne beschädigte Celluloidbeläge wurden fachgerecht ergänzt und anschließend die gesamten Beläge schonend angeschliffen und hochpoliert. Auch die Pedalklaviatur erhielt neue Dämpfungen, die Federstärken wurden auf einheitliche Werte eingestellt und die Oberflächen neu behandelt.

Ein wesentlicher Bestandteil der Maßnahme war zudem die vollständige Überarbeitung der pneumatischen Registerschaltungen nach Steinmeyer. Die Registerapparate wurden ausgebaut, neu beledert und mit neuen Ventilauflagen versehen. Ebenso wurden sämtliche Keilbälgchen zur Ansteuerung dieser pneumatischen Registerschaltungen neu beledert, um eine dauerhaft dichte und kraftvolle Funktion sicherzustellen. Nach dem Wiedereinbau erfolgte eine präzise Einregulierung, sodass die Register nun wieder zuverlässig und mit gleichmäßigem Gang arbeiten.

Reinigung und Nachintonation des Pfeifenwerks

Das gesamte Pfeifenwerk (11 Register, 676 Pfeifen) wurden vor Ort gründlich gereinigt.

Im Anschluss erfolgte eine sorgfältige Nachintonation. Dabei wurden sämtliche Register sowohl in sich als auch zueinander neu abgestimmt. Bestehende Ansprache- und Lautstärkeunterschiede wurden ausgeglichen, jedoch ausschließlich unter Verwendung jener intonatorischen Parameter, die nachweislich der Steinmeyer’schen Klangästhetik entsprechen. Abschließend wurde das Instrument einer Generalstimmung unterzogen.

Ergebnis

Die Steinmeyer-Orgel in Kalchreuth präsentiert sich nun wieder mit präziser Spielart, zuverlässiger pneumatischer Registersteuerung und stabiler Tonansprache. Die Überarbeitung des Spieltisches sorgt für ein deutlich verbessertes Spielgefühl, während die erneuerten Registerapparate eine sichere und gleichmäßige Schaltung gewährleisten.

Klanglich zeigt sich das Instrument nun wieder in jener warmen, grundtönigen Spätromantik, die für Steinmeyer um 1900 charakteristisch ist: tragfähige 8′-Fundamente, weich zeichnende Streicher und ein ausgewogen aufgebautes Plenum.

Damit steht die Orgel wieder als technisch gesichertes und klanglich überzeugendes Instrument für Liturgie und Konzert zur Verfügung.

Auszug aus dem Buch Orgeldenkmale in Mittelfranken Fischer / Wohnhaas (ISBN 3/921 848-08-3, Lauffen am Neckar, 2001. S. 164.):

„Der fünfteilig-dreitürmige Denkmalprospekt in Normalform vor dem erweiterten Gehäuse geht auf den Nürnberger Stadtorgelmacher Christoph Kittelmann zurück und kann mit dem durchgehenden Obergesims über den Zwischenfeldern vielleicht als Modellfall für ähnliche, noch nicht identifizierte Prospekte angesehen werden. Für unsere Gegend recht selten sind die Blattornamente vor den Pfeifenfüßen. An Schnitzwerk ist nicht gespart: Akanthusranken in Ohren und Schleiern, fünf Engelsköpfchen, Vasen mit Blumensträußen, Lorbeerstäbe und ein Aufsatz mit der Inschrift „Jehova“ im Strahlenkranz, am Mittelturm außerdem ein Zimbelstern.“

Vormalige Orgelwerke (Quelle Orgeldatenbank Bayern):

1679 Nordempore, 1679 aus Nürnberg, Veste, aufgestellt durch Michael Kürschner, Nürnberg
1746 Westempore, I. Man / 11 Reg., Johann Christoph Kittelmann, Nürnberg
Reparatur 1839 durch Johann Michael Bittner, Nürnberg
Reparatur 1906 durch Johannes Strebel, Nürnberg


Disposition

I. Manual

C – g ´´´

Principal8 ´
Gamba8 ´
Flöte8 ´
Oktav4 ´
Mixtur 3f.2 1/3 ´

II. Manual

C – g ´´´

Gemshorn8 ´
Salicional8 ´
Liebl. Gedeckt8 ´
Flöte4 ´

Pedal

C – f ´

16 ´
8 ´
4 ´

Koppeln und Spielhilfen: Manualkoppel; Pedalkoppeln II/P und I/P; Superoktavkoppel II/I; Calcant; Cymbelstern; automatisches Pianopedal im II. Man.